Das Gleiche nimmt das Andere mit hinaus. Es ärgert, dass dieser Gedanke immer wieder aufkommt. Ärgert schon deshalb, weil es sich nur um den Ausgang kümmert. Dabei hatten wir an dieser Stelle hier Platz genommen, damit das Ende dieses mal nicht vorbei kommt. Dass es dieses mal eben keines gibt. Dass war es schließlich, was wir uns empfohlen hatten. Schluß damit zu machen. Es sein zu lassen, ohne sich zu kümmern was statt dessen. Nur die Enden mit ihrer antrainierten Entschiedenheit, das wenigstens war klar, hatten sich erledigt. Schon länger gibt es diese Gedanken. Lange schon. Viel länger als gesagt.

Das Gleiche nimmt das Andere mit hinaus. Nochmals, im Reflex, versuchen wir der Abscheu zu entkommen, oder wie nennt sich dieser Unwille noch, ein weiteres mal dieses Gesicht anschauen zu müssen. Die versendete Schulter, die schräg hochgezogen hängen bleibt. Dort verharrt in leichtem Zucken. Gleichzeitig die Hüfte so verdreht, dass der Taillenknochen zum Zentrum einer Sache wird. In dieser Haltung sich zu schnell bewegend, wovor Künftige keine Abwehr mehr empfinden werden, lief es aus dem Bild hinaus.

Die Beschädigung hatte man sich selbst eingehandelt, so dachten wir erst, weil es andere uns so sagten. Vielleicht war es aber doch anders. Versionen zirkulieren. Die uns liebste ist immer noch, dass es die Beschädigung selbst war, die entschieden hat. Es war aber, so schrieb es der eine vom anderen ab, ein von beiden Seiten als befruchtender Moment eingeschätzt worden. Denn auch wenn es eben nur ein Ding ist, verlebendigt es sich durch Zuneigung.

Von hier aus muss mich das alles nicht weiter kümmern. Die Unterschiede, sie lächeln, flüchtig vorbei ziehend und wollen weiter nichts. Auch ich lächle. Mit manchen kommt man ins Gespräch. Meist zeige ich ihnen, wenn sich eines nähert, nichts zu sagen, denn der Unterschied im Ungesagten soll unsere Verbindung sein. Dies irgendwie vor Augen, daran gewöhnt, gab es die Möglichkeiten sich dem hinzugeben kaum mehr. Mit denen Meinesgleichen ging ich hinter das Gebüsch oder nach unten wo der Fluss eine Biegung macht.

Das Gesicht auf dem Bild wird nun einige Wochen von einer Mauer ihm gegenüber angeschaut. Einer in der Gruppe meinte, er stelle sich vor, wie die Mauer leiden mag darunter, wo sie doch nicht fort gehen kann. Die mag es vielleicht wie ein Match verstehen, so er weiter, aus der sie gewiss als Sieger hervor geht. Das Gesicht wird abziehen, soviel steht fest.
Diejenigen die das Spiel aus gewöhnlichem Kalkül spielen, und diejenigen die es vom Hineingeboren sein her gewohnt sind, haben von der Unterscheidung nichts abbekommen. Für sie ist da nichts weiter zu holen. Das Gezeigte wird lediglich abgezogen.

Es kommt als Schwärze herein. Das Schwarze lässt keine andere Möglichkeit, als in ihm ruhig werden. Rituelles ist in ihm kaum möglich. Und wenn doch, dann war dies nur in diesen paar Jahren am Anfang der Fall. Es gibt die Dokumente aus dieser Zeit. Und etwas darin, dass man als Witterung bezeichnet hat. Davon sollte man sprechen - aber wie? Was sich sagen lässt, ist dass sich kein Ritual daraus ergab, obwohl die Vorraussetzungen doch eine Zeit lang dafür sprachen. Nicht dass es nicht versucht wurde. Es ist nur so, dass das Rituelle und das Schwarze keinen Zusammenhang ergeben der Produktion einbringt.

Eine über Bande aufgeführte Tollheit lässt sie nur noch näher heran kommen.
In dieser Position wollte das Passive so lange als möglich verharren,
hörte ein Murren und erwiderte „Oh lass es mich auf der Fläche verhandeln."
"Wenn du einer Bedrohung entkommen willst, musst du dich auf den Raum einlassen."
"Nein nein lass, ich bin nichtfluchtend. Zurückweichen ist keine Möglichkeit.“

Wir trugen es vor uns her. Andere erzählten davon, wie es wehte und klang. Leute sprechen darüber bis der Blick sich eintrübt. Dabei ist das Schwarz ein wenig entglitten. Nach wie vor hängen wir an ihm mit Sympathie. Sehen es auftauchen hier und da. Grüßen aus größerer Distanz. Und finden es nicht weiter bedauerlich, dass wir nun schon länger ein fast sachliches Verhältnis haben. Über die Dokumente wird man Kurzschlüsse ziehen. Doch einmal anerkannt dass alles einen anschaut, ist der nächste Schritt unvermeidlich. Jedes der zehn eintreffenden Bilder lehnte ich mühelos ab.

Schließlich saßen wir in einer Hütte allein mit all den Instrumenten, beschäftigt mit nichts anderem als Saiten zu stimmen. Solange bis wir sicher sein konnten, dass kein falscher Ton mehr vor kam. Es wurde von einem bevorstehenden Auftritt gesprochen. Nur die Hütte tat immer so, als könnten wir auf Dauer dort bleiben. Das war am Ende auch der Grund, warum dort nie jemand eingezogen ist. Alles was verging, versammelte sich in der ersten und wurde in der zweiten zur Wiederaufführung gebracht.

Hinaus wagen nochmals. Diesmal schon etwas angeschlagen. Da wusste man schon, dass es von nun an anders sein würde. Keine Echo, statt dessen ein Chor.
Was hätte man denen sagen können? Als Kind gab es den Gedanken, dass die Wörter gezählt seien. Dass man verstummen müsste, wenn der Schatz aufgebraucht ist. Dass wir dazu getanzt hatten, scheint jetzt ganz unwahrscheinlich. Wenn das Ende ein Lied hat, und wenn darauf getanzt wird, öffnet sich der Mund und die Pupillen weiten sich. So ist es dokumentiert. Noch heute kann man es sich ansehen.

Da, das Bild von der unnützen Bewunderung heißen wir willkommen. Dem folgt die geschwärzte Heimfahrt, das Bild von den Bohnen, Existenz ohne Anstrengung triumphiert, Falle in blau, Geschlecht und Leiter. Und dann auch folgende Bilder: die Dreckigen, Würste am Frankfurter Tor, Schreckleichtefahrt, abgeriebener Verbindungskreis.

Was für eine Verrücktheit diese Dinge aufzubewahren. Die Mappen hervor ziehen. Auf etwas stoßen. Jahre wurden damit zugebracht. Und dann schaut einen nur das Blinde an und man fragt sich, wer von uns beiden?
Wir haben von einem Hamburger Fotografen gelesen, der sein komplettes Archiv verbrannt hat und sich selbst im Anschluss umgebracht. Wir finden das kann man doch wirklich verstehen, dass einer das macht.

So rufen wir an die Offenbarung vom ersten Tag. Die Hitze im alleinigen Tun. Fragmentierte Glieder dringen durch den Rauchfang auf die Straße, um dort auf Knien einem Abgott abzuschwören. Man sieht wie sie verneinen den anbrechenden Tag. Ein Koloss von einem Körper trägt das Restliche davon und verscharrt es an einem Ort von dem er gesicherte Kenntnis hat, dass die Saat aufgehen wird. Alles Vergrabene wird entdeckt sagt A A.

Das Ende. Da kniet sich einer hin, dem es verkündet wurde. Er kniet sich nieder und bittet, nein fleht. Er kniet sich hin und fleht, dass es nicht vorbei sein soll. Der Angeflehte steht am Fenster, das Mittagslicht hinter ihm scheint herein über die Schultern hinweg auf das schöne Gesicht des Mannes, der aufblickt und nicht aufhört allen Stolz fahren zu lassen.
Noch mal: Wir sind gekommen, in dieses Haus, in diese Wohnung, in dieses Zimmer und sprechen vom Schluß machen. Wir stehen nahe am Fenster in einem spärlich möblierten Raum und sagen, lass vorbei sein. Der Angesprochene kniet sich hin und sagt es da und dann nicht wieder.

Wenn etwas an sich Schönes auftaucht, wird keine Ruhe gegeben, bis es auf dem kleinen Dreckhaufen zusammen gekehrt ist. Die Akteure handeln stets im Auftrag des Dreckhaufens. Es gibt kein Davonkommen, nur das beständige Auf- und Abbauen der Haufen. Wir kamen dazu, als man gerade einen neuen, wahrlich schönen Hügel auftürmte und wissen doch schon, er wird über uns zusammen stürzen.

Eine Form annehmen, ein Bild abgeben. Dass es nicht dasteht und auf Gefallen aus ist. Dass es auf nichts aus ist. Dass es sich auch nicht müht Worte zu werden. Dass es ganz ohne Auflagen da sein kann. Dass es das Vermögen hat, nach dem Durchstoßen flüchtig, und, obwohl noch pochend, hinter Büschen lachend hinunter zur Flussbiegung sich aufmacht. Dort auch nicht allein.